Häufige Fragen

1. Gehen die Kinder etwa auch bei Dauerregen, Sturmböen oder klirrender Kälte in den Wald?

Diese viel geäußerte Sorge ist verständlich, lässt sich aber schnell entkräften, denn bekanntermaßen „gibt es kein schlechtes Wetter – es gibt höchstens unpassende Bekleidung!“ Vor Nässe und Kälte sind Waldkinder durch wasserfeste und winddichte Funktionskleidung geschützt. Bei echtem „Mistwetter“ interessieren sie sich schon eher für vereiste Pfützen, den Bau eines Staudamms oder eine rasant-rutschige Schlammbahn.
Grundsätzlich sind wir bemüht, bei jeder Temperatur und Wetterlage draußen zu bleiben, auch im Winter – nicht nur, aber auch, damit die Kinder den Wechsel der Jahreszeiten „am eigenen Leib“ erfahren bzw. spürbar in die Prozesse der Natur eingebunden sind. Eltern und Erzieher achten gemeinsam darauf, dass die Kinder immer der Witterung entsprechend angezogen sind. Ist dies ganz offensichtlich nicht der Fall bzw. finden sich im Waldkindergartenfundus auf die Schnelle auch keine passenden Ersatzsachen, müssen die Eltern ihr Kind eben wieder mit nach Hause nehmen. Im Winter halten sich die Kinder durch viel Bewegung warm, indem sie z.B. einen Schneemann bauen oder Poporutscher fahren.
Bei deutlichen Minusgraden findet das Frühstück (bei dem die Kinder sich wenig bewegen und deswegen schnell auskühlen) im Kindergarten oder nur verkürzt draußen statt. Im Normalfall haben alle Kinder bereits zu Hause ein kleines Frühstück zu sich genommen. Ist es wirklich extrem kalt, bleiben die Waldkinder auch mal im Kindergarten oder kehren früher als üblich aus dem Wald zurück. In den Wintermonaten gibt es zudem einmal in der Woche einen „Drinnentag“.
Sind Sturmböen oder Gewitter angekündigt, gehen die Kinder natürlich nicht in den Wald. Bei unklarer Wetterlage entscheiden die Erzieher situativ, ob die Gruppe einen Ausweichplatz aufsucht, z.B. eine nah gelegene Wiese, ob sie nur in den Garten geht oder gleich ganz drinnen bleibt. Um Verletzungen durch herunterfallende Äste auszuschließen, findet nach Stürmen immer eine Sicherheitsbegehung durch unseren Hausmeister statt, der dann alle Bäume rund um die besuchten Waldwege und -plätze sichtet.

2. Ist das freie Spielen und Herumtoben im Wald für die Kinder nicht sehr gefährlich – z.B. durch herunterfallende Äste, wilde Tiere u.ä.?

Das freie Spielen im Wald ist nicht gefährlicher als in geschlossenen Räumen oder in einem Garten – ganz im Gegenteil! In der Natur wird die Aufmerksamkeit der Kinder für mögliche Gefahren quasi „automatisch“ und notwendigerweise geschult. Die Trittsicherheit bzw. ganz allgemein die motorischen Fähigkeiten wachsen durch regelmäßiges Klettern und Balancieren, durch das Erobern steiniger Wege und unebener Wiesen recht schnell. Durch diese Erfahrung gewinnen die Kinder schnell an Selbstvertrauen – was ja auch gewollt ist!
Im Freien gelten zudem feste Regeln, an die sich alle Kinder halten müssen und auf deren Einhaltung die Erzieher achten (z.B. Fernhalten von spitzen Stöcken; keine Steine werfen, Maximalhöhe beim Klettern usw.). Wildtiere ziehen die Flucht immer einer Annäherung an Menschen vor. Von Wildtieren in der Paarungszeit bzw. mit Jungen halten wir uns fern. Grundsätzlich gilt: Der Wald ist für uns kein unheimlicher oder angstbesetzter Ort, sondern „unser Haus“, in dem wir uns sicher und geborgen fühlen.

3. Wo und v.a. wie verrichten die Waldkinder denn ihre großen und kleinen Geschäfte?

Für die Notdurft gibt es in unmittelbarer Nähe aller Waldplätze feste, markierte Plätze, die alle Kinder kennen und beim Spielen meiden. Fäkalien und Klopapier werden dort mit einem Stock oder einer Schaufel im Erdboden vergraben. Normalerweise hilft den Kindern dabei immer ein Erzieher – es sein denn, das Kind möchte das ausdrücklich nicht oder kann es schon „ganz allein“. Erfahrungsgemäß stellt sich der kindliche Organismus auch schnell auf die vormittäglichen Waldgänge ein, sodass viele Kinder im Wald überhaupt gar nicht mehr aufs Klo gehen müssen. Zudem werden fast alle Kinder von ihren Eltern morgens vorm Anziehen bzw. Losgehen zum Waldkindergarten dazu angehalten, nochmal auf Toilette zu gehen. Alles in allem herrscht beim Thema „Ausscheidung“ also eine unaufgeregte Routine …

4. Warum sind die Waldkinder bzw. ihre Kleidung ständig so dreckig? Wie werden hygienische Mindeststandards eingehalten?

Wir halten es mit Maria Montessori, die zum Thema dreckige Kinder einmal bemerkte: „Wenn Sie Ihr Kind heute sauber aus dem Kindergarten abholen, dann hat es nicht gespielt und nichts gelernt.“
Hygiene ist immer eine Frage der Sichtweise und des eigenen Standpunktes. Kinder haben  naturgemäß eine andere Wahrnehmung von „schmutzig“ als Erwachsene. Sicher müssen manche Eltern schlucken, wenn sie ihre Kinder nach einem regnerischen Waldtag abholen, doch mit der Zeit entwickelt sich auch eine gewisse Gelassenheit. Für alles andere gibt es Waschmaschinen!
Saisonal bedingt zeigt sich eben auch mal im Flur und in der Garderobe, dass ordentlich mit Matsch gespielt wurde, gleich dem Sprichwort: „Wo gehobelt wird, da fallen Späne!“
Die Erzieher nehmen immer ausreichend Wasser mit in den Wald, um bei Bedarf Hände, Gesicht etc. zu waschen. Nach der Rückkehr in die Kindergartenräume bzw. auch vor allen anderen Mahlzeiten werden ebenfalls Hände und Gesicht gewaschen.
Ansonsten gilt bei uns der gleiche Hygienestandard wie in anderen Kindergärten auch.

5. Werden die Kinder überhaupt ausreichend auf die Anforderungen des späteren Schulalltags vorbereitet, wenn sie ständig nur im Freien herumtoben?

Aus unserer Erfahrung heraus können wir diese Frage mit einem klaren JA beantworten! Kinder haben einen natürlichen Entdeckerdrang und eine gesunde Neugier, die nichts mit „Lernen müssen“ oder Zwang zu tun hat. Sie wollen Dinge von sich aus ergründen und für sich das „Wieso, Weshalb, Warum?“ beantworten. Diese Erfahrung und das damit zusammenhängende Lernen bietet gerade das freie Spielen.
Der Wald ist für uns ein idealer Ort voller Herausforderungen und positiver Anreize, bietet zahlreiche Reibungspunkte und Bewährungsmöglichkeiten, sodass Kinder natürlich wachsen und die Grenzen ihrer eigenen Körperlichkeit erfahren können.
Wir begleiten und stärken die Kinder bei der Erlangung ihrer Basiskompetenzen, die sicher auch den Einstieg in die Schulzeit erleichtern. Wir unterstützen unsere Schulanfänger v.a. bei der Bewusstwerdung ihrer persönlichen sozialen und kreativen Stärken. Es werden bewusst keine Inhalte der 1. Klasse vorweggenommen.
Wer es genau wissen möchte, findet weitere Informationen dazu in dieser wissenschaftlichen Studie: Raith, Andreas/Lude, Armin: Startkapital Natur. Wie Naturerfahrung die kindliche Entwicklung fördert, Oekom Verlag GmbH, München 2014 (das Buch liegt im Winzerlaer Kigabüro aus).

6. Stimmt es, dass die Waldkinder auch mit gefährlichen Gegenständen wie Schnitzmessern oder Pfeil und Bogen hantieren dürfen?

Die Kinder dürfen im Wald auch schnitzen, werkeln und basteln. Werden dazu Werkzeuge wie Schnitzmesser oder Sägen benötigt, dann werden diese auch von den Kindern selbst benutzt – natürlich immer unter der Aufsicht und Anleitung von Erziehern! Dieses Werkeln mit „gefährlichen“ Gegenständen fördert die motorischen Fähigkeiten und das Vertrauen in die eigenen Kräfte, die Wahrnehmung und die Augen.
Spielgegenstände werden aus dem, was die Natur und der Wald hergeben, unmittelbar hergestellt und selbst gebaut. Ansonsten gibt es bei uns, auch aufgrund ökologischer Aspekte, kein „vorgefertigtes“ Spielzeug. Kinder erfahren so direkt, zu was sie fähig sind und was sie können und erleben dazu auch das Vertrauen der Erwachsenen.
Und selbst wenn mal was schiefgeht: Ein Erste-Hilfe-Päckchen ist im Erzieherrucksack immer dabei!

7. Wie schließen Sie aus, dass die Kinder im Wald z.B. giftige Beeren und Pilze essen?

Zunächst gibt es feste Regeln, an welche sich alle Kinder halten müssen, z.B. dass das Abpflücken bzw. auch Essen von Blättern und Beeren ohne Rücksprache mit den Erziehern untersagt ist. Die Erzieher sind in Botanik geschult. Die Kinder lernen durch das tägliche Miteinander in der Natur sehr gut, gefährliche und ungefährliche Pflanzen zu unterscheiden. Interessante Blätter oder Pilze werden gemeinsam angeschaut und bestimmt. Auch das gegenseitige Aufpassen und die Achtsamkeit zwischen den Kindern werden dadurch gefördert.
Es gibt tatsächlich nur sehr wenige Pflanzen in unseren heimischen Wäldern, die hochgiftig sind.
Die Erzieher haben zudem immer ein Handy bei sich, um im Notfall sofort reagieren zu können.

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, das ein Ding kein Gift sei.“ (Paracelsus)

8. Werden die Kinder durchs tägliche Draußensein häufiger krank als andere Kinder? Und was ist mit Zeckenbissen?

Nein, ganz im Gegenteil! Das Draußensein stärkt die Abwehrkräfte und das Immunsystem der Kinder und macht sie robuster. Gegen unbeständiges Wetter sind die Kinder durch entsprechende Funktionskleidung gut geschützt. Natürlich sind auch Waldkinder einmal krank, da das kindliche Immunsystem ständig dazulernen muss. Unsere Erfahrung in der Praxis zeigt aber, dass die meisten Kinder Grippe & Co. gut wegstecken und schnell wieder fit sind.
Zeckenbisse lassen sich nicht immer vermeiden, darum ist für uns die Zeckenkontrolle so wichtig. Mit Beginn der Zeckensaison (bei einer Tagestemperatur ab ca. 10 °C) werden die Kinder regelmäßig vor dem Mittagsschlaf nach Zecken abgeschaut. Bei Bedarf und vorliegender schriftlicher Erlaubnis der Eltern werden die Zecken von den Erziehern entfernt, die Bissstelle markiert und die Eltern beim Abholen darüber informiert. Gegen mögliche übertragbare Krankheiten wie z.B. Borreliose gibt es derzeit keinen Impfschutz o.ä. Gegen FSME gibt es eine Impfung.

9. Wie wird gewährleistet, dass beim Spielen im Wald – also ohne feste Türen und Wände – kein Kind verloren geht?

Die Anzahl der Kinder wird zunächst beim Loslaufen zum Waldplatz gezählt und regelmäßig  kontrolliert. Wichtig sind auch hier die Regeln für die Kinder: Auf dem Weg in den Wald und entlang gefährlicher Strecken bleiben diese immer angefasst, sodass keiner alleine läuft. Im Wald ist es den Kindern schnell geläufig, in Sichtweite der Erzieher zu bleiben. Auch werden genaue, verbindliche Grenzen festgelegt z.B. beim Spielen in der Nähe von Abhängen. Nach der Abschlussrunde und vor dem Zurücklaufen ins Kiga-Gebäude wird erneut nachgezählt, ob alle da sind.

10. Entspricht Ihr Betreuungsangebot mit einem festen Kita-Gebäude überhaupt der ursprünglichen Waldkindergartenidee?

Die Idee der Waldkindergärten stammt aus Dänemark und unterscheidet sich gegenüber anderen Kindergärten darin, dass sich die Kinder die meiste Zeit über in der Natur aufhalten und mit dem spielen, was sie dort vorfinden. Auch wir orientieren uns an diesem pädagogischen Ansatz. Diese ursprüngliche Idee korreliert mit unserem Motto „Unser Haus ist der Wald“ und sieht eigentlich kein festes Kiga-Gebäude vor. Allerdings unterliegen alle Kindergärten jenseits des pädagogischen Ansatzes den Bundes- und Landesgesetzen sowie Verordnungen. Für Thüringen sieht diese Verordnung u.a. vor, dass unser Kindergarten in einem festen Gebäude untergebracht sein muss, in denen die Kinder sich auch zurückziehen und Mittagsschlaf machen können. Dennoch bemühen wir uns um gute Kompromisse zwischen der reinen, ursprünglichen Waldkindergartenidee und den gesetzlichen Anforderungen – und haben unseren eigenen „Waldkindergartengeist“ ins Leben gerufen.

11. Warum dürfen die Kinder kein eigenes Spielzeug in den Wald oder Kindergarten mitnehmen?

Unser waldpädagogischer Ansatz erlaubt den Kindern ein freies Spiel mit dem, was sie in der Natur oder auf dem Feld vorfinden. Kinder sollen Spielmöglichkeiten nicht vorgefertigt vorgesetzt bekommen, sondern eben frei spielen und eigene, kreative Wege des Spielens entdecken. Für Kinder stellt das überhaupt keine Schwierigkeit dar: Aus Stöcken werden schnell Figuren gelegt oder Mobiles gebastelt, aus Steinen wird kurzerhand eine Schnecke gelegt etc. Die kindliche Phantasie kennt keine Grenzen und anderes Spielzeug wird deswegen auch gar nicht groß vermisst.

12. Wo erhalte ich weitere Informationen über den Waldkindergarten Jena im Speziellen und die Waldpädagogik im Allgemeinen?

Natürlich in unseren Waldkindergärten! Unsere Erzieher stellen sich gern Ihren Fragen und informieren Sie zur Umsetzung der Waldpädagogik bei uns. Auch gibt es inzwischen einige Fachliteratur, die sich explizit der Waldpädagogik widmet, z.B.: Miklitz, Ingrid: Der Waldkindergarten, Dimensionen eines pädagogischen Ansatzes (=Frühe Kindheit: Pädagogische Ansätze), 4., aktual. u. erw. Aufl., Berlin 2011, käuflich zu erwerben hier.
Außerdem veranstalten wir 1x im Jahr einen Informationsabend für interessierte Eltern (aktuelle Termine hier).