Eingewöhnung

Kastaniengruppe (1– 3 Jahre)

Für die Eingewöhnung empfehlen wir, etwa sechs Wochen einzuplanen, mindestens jedoch vier, denn nicht selten reagieren Kinder mit Krankheit auf solche Stresssituationen. Ihr Immunsystem wird stark beansprucht, wenn sie den Nestschutz der Familie verlassen.

Die ersten Tage sind dem Ankommen vorbehalten. Die Kinder sollen in Begleitung einer vertrauten Person die neue Umgebung erst einmal kennenlernen.

Etwa nach den ersten zwei Tagen können Eltern ausprobieren vom nahen Begleiten zu mehr Abstand und einem Sich-Zurückziehen überzugehen. Sie können sich z.B. „uninteressiert“ verhalten. Für das eigene Sicherheitsbefinden können sie in dieser dieser Phase z.B. nur beobachten oder ein Buch lesen.

Meist beginnen wir am Ende der ersten Woche mit einer halben Stunde ohne Eltern, natürlich in Abhängigkeit vom Kind bzw. seines Verhaltens, der Kontaktaufnahme und des Kontaktzulassens zu uns Erziehern (und zu anderen Kindern der Gruppe).

Wir möchten, dass die Eltern sich vor dem Gehen von ihrem Kind verabschieden. Abschied soll angstfrei – und in Zukunft als Normalität – erlebt werden. Am besten vermitteln Eltern dieses Gefühl durch ihr eigenes Vorbild.

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In der zweiten Woche wird die Abwesenheitszeit der Eltern allmählich gesteigert, bis sich das Kind den kompletten Vormittag bei uns sicher und wohl fühlt. Erst wenn das Kind den Vormittag bei uns ohne große Mühe (Kummer) bewältigt, kann begonnen werden den Mittagsschlaf im Kindergarten zu planen. Mittagsschlaf ist für viele eine sehr private bzw. intime Situation. Kleine Kinder haben in der Regel mittags noch die Brust bekommen oder sind neben der Mutter oder dem Vater eingeschlafen. Manche Kinder schlafen nur sehr widerwillig, sie versuchen sich dagegen zu wehren – zumal es ihnen ja auch noch in einer fremden Umgebung und mit neuen Bezugspersonen abverlangt wird.

Wir halten es für vorteilhaft für das Wohlbefinden des Kindes, wenn die Möglichkeit besteht, es in den ersten Wochen als Mittagskind abzuholen. Allein die Vormittage bieten so viel Neues, das ein Kind verarbeiten muss. Manche Kinder reagieren darauf mit Aggressionen, v.a. zu Hause. Manchen Kindern ist es in den ersten Wochen im Kindergarten einfach „viel zu viel“.

Das „erste Mal im Kindergarten schlafen“ findet meist an einem Freitag statt, damit sich das Erlebte beim Kind setzen kann und es erst einmal zwei Tage komplett wieder mit den Eltern zusammen verbringt, also Sicherheit zurückgewinnen kann. In der darauffolgenden Woche kann es, je nach Reaktion auf den Mittagsschlaf, wiederholt im Kindergarten schlafen. Wir raten dazu die darauffolgende Woche etwas abzukürzen (dreimal hintereinander Mittagsschlaf reicht).

Einerseits soll die Eingewöhnung nicht zu kurz sein, andererseits kann auch eine zu lange Eingewöhnung dem Aufbau einer Bindung entgegen stehen. Im Grunde geht es darum den richtigen Zeitpunkt abzupassen. Über den sollten sich Eltern mit den Erziehern unbedingt austauschen! Naturgemäß fällt es auch vielen Eltern nicht leicht sich von ihrem Kind zu lösen. Manche sind noch uneins mit sich, ob sie diesen Schritt jetzt (schon) gehen wollen.

Selten zeigt sich das Kind freiwillig zum Abschied bereit und fordert seine Eltern von sich aus auf zu gehen. Einige Eltern haben Angst, dass ihr Kind beim Abschied Tränen vergießt und möchten das natürlich gern vermeiden. Abschied und Traurigkeit gehören aber zum Leben dazu und sind nichts Schlimmes, denn das Kind erfährt ja im Laufe der Eingewöhnung, dass es sich auf das Wiederkommen der Eltern verlassen kann.

Wir wollen Eltern darin bestärken sich auf die neue Situation einzulassen, Tränen auszuhalten und ihrem Kind einen zeitlich begrenzten Abschied zuzutrauen. Das Kind kann daran wachsen und einen Schritt in Richtung Autonomie gehen. Wir werden unser Möglichstes tun, damit ein Kind zu uns Vertrauen fasst. Voraussetzung ist aber das Vertrauen der Eltern: Vertrauen darauf, dass wir anrufen, wenn sich ein Kind nicht von uns trösten lässt. Eltern bekommen jederzeit von uns Erziehern eine Rückmeldung, wie das Kind die Ablösung verkraftet hat.

Rückfälle nach gutem Gelingen der Ablösung am Morgen sind normal, da das volle Bewusstwerden der Situation (‚Auch wenn ich als Kind nicht will, muss ich …‘) beim Kind meist etwas später einsetzt oder andere Möglichkeiten getestet werden (zu Hause bzw. bei den Eltern bleiben).

Es ist hilfreich für ein Kind, wenn Eltern klar sind in ihrem Verhalten. Das setzt voraus, dass Eltern ein gutes Gefühl haben, also dem Kiga und den Erziehern vertrauen, sich vertraut machen, Bedenken ansprechen.

Die Eingewöhnung in die Waldgruppen (3–6 Jahre) folgt vom Prinzip her demselben Ablauf.

Allen Familien in unserem Kindergarten werden von Beginn an Bezugserzieher/Innen zur Seite gestellt. Diese begleiten die Eingewöhnung und sind auch danach Ansprechpartner für Elterngespräche und Fragen.

Eine Aufnahme des Kindes ohne Eingewöhnung findet nicht statt!